Erklärung des Roma-Treffens 2014

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Zum Internationalen Tag der Roma, dem 8. April, überreicht Romane Aglonipe zusammen mit weiteren Roma-Organisationen aus Niedersachsen VertreterInnen der Landesregierung die Erklärung des Roma-Treffens 2014. Zu den GesprächspartnerInnen zählen: Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragten für Migration und Teilhabe, Sozialministerin Cornelia Rundt und Landtagspräsident Bernd Busemann. An diesem weltweit historischen Tag der neuen Bürgerrechtsbewegung der Roma lenken die SprecherInnen der Roma-Community die Aufmerksamkeit der Politik auf ihre Forderung, Antiziganismus aktiv zu bekämpfen, die Teilhabe der Roma-Minderheit strukturell zu fördern und dazu auch gesetzgeberische Wege zu wählen.

Hannover 08.04.2014

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Gemeinsam gegen Rechtsextremismus

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Bad Nenndorf bleibt bunt – Manifestation der Schwäche für die Neonazis

Mit vielfältigen Protestaktionen am 3. und 4. August unterstützten mehr Menschen als 2011 den Widerstand gegen den Marsch von rechtsextremistischen Organisationen am Samstag, 4. August in Bad Nenndorf. Sieben Demonstrationen gegen die Neonazis waren für den 4. August angemeldet, eine Demonstration des „Bündnisses Rodenberg gegen Rechts“ zog am  Samstag morgen zum Ökumenischen Gottesdienst an der Musik-Muschel im Kurpark Bad Nenndorf. Die Aktion „Urban knitting“ und Riesen-Transparente gegen die Hass-Politik der Neonazis und für das Aussteiger-Programm „EXIT“ setzten künstlerisch neue Akzente im Protest.

Romane Aglonipe war zu einem Beitrag bei der Auftaktkundgebung  von DGB und Bündnis „Bad Nenndorf ist bunt“ eingeladen:
Für die Minderheit der Roma und Sinti ist der Widerstand gegen den alten und neuen Rassismus ein zentrales Anliegen. Damit gehen wir Hand in Hand mit den Organisationen der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen“, erklärte Djevdet Berisa.Er zitierte aus der „Hannover-Erklärung gegen Antiziganismus“ von 2011:

Als Juden, als Sinti und Roma, als Angehörige einer nationalen Minderheit, aber auch als Europäer sind wir sehr besorgt über das Anwachsen des Rassismus in der Mitte unserer Gesellschaft.

Der verstärkte Antisemitismus und Antiziganismus in den europäischen Staaten, auch in Niedersachsen, sollte alle aufgeklärten Menschen beunruhigen. Es kann und darf nicht sein, dass unsere Minderheiten, Jahrhunderte hindurch verfolgt, heute, im 21. Jahrhundert, immer noch ausgeschlossen sind und keine Chance auf eine bessere Zukunft erhalten.

Wir wollen gemeinsam mit allen demokratisch und aufgeklärt denkenden Menschen in Niedersachsen und Europa zusammenarbeiten, um rassistischem Gedankengut entgegenzutreten. Wir dürfen es niemals zulassen, dass Antisemitismus und Antiziganismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus zum Alltag des heutigen Europa wird.“

An den Kundgebungen des Bündnisses „Bad Nenndorf ist bunt“ nahmen mehr als 1.000 Menschen teil. Die Redebeiträge repräsentierten das breite gesellschaftliche Spektrum des Widerstandes gegen die Neonazi-Propaganda. Blockade-Aktionen der Initiative „Kein Naziaufmarsch in Bad Nenndorf“ konnten das Eintreffen der Neonazis um mehrere Stunden verzögern. Busfahrer in Haste weigerten sich, die ungeliebten braunen Fahrgäste im „Schienen-Ersatzverkehr“ zu fahren, und wegen einer Pyramiden-Aktion, die Freitagabend am Rande des Platzes vor dem Wincklerbad begann, konnten die ca. 460 Neonazis ihre Feier nur auf enger Fläche aufstellen. Die Feiern entlang der Neonazi-Route begleiteten den „Ehren-Marsch“ und die Kundgebung der Rechtsextremisten in kurzer Distanz mit massiven Protest.

Der Aufzug der RechtsextremistInnen wurde insgesamt zur Manifestation der Schwäche. Aus Sicht der Protest-Bündnisse ist der Tatbestand der Volksverhetzung und Verletzung des Grundgesetzes durch die Hass-Märsche längst erfüllt – die Proteste aller zivilgesellschaftlichen Kräfte gegen die demokratiefeindlichen Auftritte von Neonazis in Schaumburg werden weitergehen. Und über die Frage, wer 2013 im Nds. Innenministerium in Hannover die amtliche Auseinandersetzung gegen Rechtsextremismus politisch verantworten wird, entscheiden auch die WählerInnen bei der Landtagswahl in Niedersachsen am 20. Januar.

(erstellt: 19.08.12)

HERDELEZI 2012 Hannover

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Herdelezi im Mai/Juni in Hannover

Der Frühlingsanfang wird in vielen Roma-Communities als Herdelezi-Fest gefeiert . Das bot den Anlass für das Programm HERDELEZI 2012 in Hannover. Nach vergleichbaren Projekten in Nordhorn (2010) und Emden (2011) gelang es, in Kooperation mit der Katholischen Kirche in der Region Hannover und mit Unterstützung von Region und Stadt Hannover sowie dem Caritas-Verband der Diözese Hildesheim und dem Nds. Flüchtlingsrat, ein interessantes Programm zu realisieren, das insgesamt von 180-200 Gästen besucht wurde.

Die Veranstaltung am Mittwoch, 30. Mai, bot mit dem Dokumentarfilm „Pretty Dyana – Best of the Rest!“(Serbien 2004, Regie: Boris Mitić, 45 Min.) – im Kulturzentrum Pavillon vorgestellt – einen Auftakt für Gespräche und Diskussionen zur Lebenssituation von Roma in Osteuropa: Junge Roma am Stadtrand von Belgrad bauen aus Schrottautos neue, skurrile Fahrzeuge für ihren eigenen Transportbedarf – ein Vergnügen für Film-Enthusiasten

Ein umfangreiches Kulturprogramm ludam Sonntag, 03. Juni, ins Tagungshaus St. Clemens ein: Spiel-Aktionen für Kinder und die Foto-Ausstellung „Ohne Heimat – Bilder aus Montenegro und dem Kosovo“ waren von 12-18 Uhr zu besuchen.

Für die offizielle Eröffnung hatten mehrere SprecherInnen Grußworte vorbereitet: Bürgermeister Strauch (Stadt Hannover), Probst Tenge (Katholische Kirche in der Region), Dr. Marcus, Caritasdirektor (als Vertreter für die Caritas Niedersachsen Mitglied im geschäftsführenden Ausschuss der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege/LAG FW), Generalkonsulin Marinkovic (Serbische Botschaft, Hamburg), begleitet von Konsul Vojislav Dragisic.

Djevdet Berisa, 1. Vorsitzender des Vereins Romane Aglonipe, machte das Gesamtanliegen des Projektes deutlich: „Wir stärken durch den Kultur-Dialog zwischen Roma-Minderheit und Mehrheitsgesellschaft das demokratische Europa der Vielfalt – gegen eine wachsende Ausgrenzung von Roma in vielen europäischen Ländern“.

Probst Tenge richtete Extra-Grüße von Bürgermeister Strauch aus, der wegen einer Terminverschiebung die Herdelezi-Gäste nicht mehr selbst begrüßen konnte, aber für die Stadt Hannover ein großes Interesse an Zusammenarbeit ausdrücken ließ. Probst Tenge wies auf die Kooperation mit dem neuen Büro hin, in dem seit Herbst 2011 Sinti und Roma in Räumen der Katholischen Kirche beratend tätig sind: „Wir brauchen einen Dialog, damit wir die Bilder, die wir voneinander haben, weiterentwickeln können“.

Dr. Marcus überbrachte einen doppelten Gruß, vom Caritas-Verband und der LAG der Freien Wohlfahrtspflege, und betonte: „Uns verbinden einige Jahre Kontakte – vor allem zum Thema Bleiberecht“. Als Mitglied der Härtefall-Kommission sprach er sich für Neuregelungen des Bleiberechts aus, die Abschaffung eines bestimmten Stichtages, Unterstützung für besondere Gruppen wie Alte und Kranke. Dazu solle ein breiter Konsens in der Gesellschaft hergestellt werden.

Generalkonsulin Marinkovic brachte herzliche Grüße im Namen des serbischen Konsulats Hamburg, bot Unterstützung zur Integration und für das Bleiberecht sowie für Pass-Angelegenheiten an.

Der Imam der Roma aus Peine dankte für die Aufnahme vieler Roma-Familien in Deutschland und forderte alle auf, gemeinsam für die Verbesserung der Lebenssituation zu wirken – als Teil der Gesellschaft in Niedersachsen.

Hauptrednerin war Frau Jovanović, die in Novi Sad, Serbien, für Minderheiten-Angelegenheiten in der autonomen Region Vojvodina zuständig ist. Sie berichtete über Sturkturentwicklungs-Maßnahmen, die dort im Rahmen der europäischen „Roma-Dekade“ seit 2005 durchgeführt werden – ein Plädoyer gegen Antiziganismus. In einem interessanten Bericht stellte sie fünf Beispiele der Strukturförderung in Siedlungen von Roma vor, angefangen von Slums über Stromversorgung in Schlichtwohngebieten bis hin zu dörfliche Siedlungen mit kompletter Infrastruktur. Ein erheblicher Teil der notwendigen Finanzierung wurde durch die EU-Mittel der „Roma-Dekade“ aufgebracht. Mit der Strukturförderung geht in mehreren Orten auch die Förderung Einkommen schaffender Projekte einher, z.B. durch Frauen-Förderung im Bereich Nähen, Kunsthandwerk etc.

Die rege Diskussion zeigte ein großes Interesse an mehr Informationen über solche umfangreichen Förder-Maßnahmen und die damit verbundenen Perspektiven, neue Lebensmöglichkeiten und eine Zukunft für die Angehörigen der Roma-Minderheit zu schaffen.

Wie dieser Bericht regte auch der Film „Io, la mia famiglia Rom e Woody Allen“ – „Ich, meine Roma-Familie und Woody Allen“ (Italien 2008, 50 Min.) – zu längeren Diskussionen an. Die junge Roma-Filmemacherin Laura Halilovic, Italien, erzählt mit ihrem Dokumentarfilm eine Familiengeschichte aus dem heutigen Italien. Der Film erhielt den „Kino-gegen-Rassismus-Preis“ beim 15. Internationalen Anti-Rassismus-Fest in Livorno, Italien. Er berichtet aus der Sicht der kleinen und heranwachsenden Tochter die Entwicklung ihrer Roma-Familie über fast zwei Jahrzehnte hinweg. Dabei entsteht ein beeindruckendes Portrait – zwischen den Wegen einer selbstgewählten Sesshaftigkeit und einem kontinuierlich erzwungenen Umherziehen.

In der Tradition der Roma-Feste stellte eine Roma-Kapelle zur Unterhaltung und zum Tanz viele Beispiele der Roma-Musik des Balkan vor. Für Geselligkeit sorgten Gespräche mit Roma-Familien. Und natürlich fehlten auch Spezialitäten vom Grill und Getränke nicht für diesen Nachmittag der Begegnung, der leider mit Dauerregen die Zahl der Gäste hinter den Erwartungen zurückbleiben ließ. Mit etwa 140 Personen war aber auch dieser Nachmittag eine gute Gelegenheit, den Dialog mit Kulturbeiträgen anzuregen und weiterzuentwickeln. Viele Kontakte werden fortgesetzt, manche Vorstellungen der Roma-Minderheit haben sich verändert und mit positiven Eindrücken von kommunikativen Menschen gefüllt:

Rom, das heißt Mensch!

„Wir sind auf uns allein gestellt“ – aktueller Radiobericht 29.05.12

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Dem zweisprachigen web-BLOG des österreichischen Vereins Roma-Service entnehmen wir  mit großer Freude diesen Medien-Hinweis – MERCI!

„Wir sind auf uns allein gestellt“

Wie Sinti und Roma systematisch an den Rand gedrängt werden

Großartiges Radiofeature unseres dROMa-Gastautors Ronny Blaschke

Ronny BlaschkeAnhören >>> Deutschlandradio (on demand: mp3)

Seit der Osterweiterung der EU stellen Sinti und Roma die größte Minderheit des Kontinents. Über keine andere Volksgruppe wissen die Mehrheitsgesellschaften so wenig und glauben so viel Negatives zu kennen. In Ungarn werden Sinti und Roma von Neonazis verfolgt, in Frankreich wurden sie zu Hunderten abgeschoben, in Italien ließ die Regierung sie amtlich registrieren. Und in Deutschland? Sie haben sich daran gewöhnen müssen, dass sie zu deutschen Schulen, Universitäten, Ausbildungsbetrieben schwer Zugang finden und dass sie bei NS-Entschädigungen kaum berücksichtigt werden. Ihr Zentralrat wird nicht in wichtige gesellschaftliche Gremien berufen. In Medien, Wissenschaften und politischen Debatten haben sie kaum einmal eine Nische erhalten.

(dradio.de, 29.5.2012)

(erstellt: 02.06.2012)

HERDELEZI – Neuigkeiten

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LAG der Freien Wohlfahrtspflege unterstützt HERDELEZI 2012

Zur offiziellen Begrüßung der HERDELEZI-Gäste kündigt Romane Aglonipe einen weiteren wichtigen Sprecher an:

Dr. Hans-Jürgen Marcus, Caritasdirektor, ist als Vertreter für die Caritas Niedersachsen Mitglied im geschäftsführenden Ausschuss der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege.

Bei HERDELEZI 2012 IN HANNOVER wird  Dr. Marcus für diese LAG sprechen, einen Zusammenschluss der 6 Wohlfahrtsverbände in Niedersachsen.

Zusammen mit dem Diakonischen Werk steht die Caritas bundesweit für die Forderung:

Kettenduldungen beenden – humanitäres Bleiberecht sichern!
Die gemeinsame Aktion von Caritas, Diakonie, katholischer und evangelischer Kirche ist natürlich auch im Internet zu finden: www.aktion-bleiberecht.de

(erstellt: 01.06.12)

UNMIK: Miserable Integration für Abgeschobene im Kosovo

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UNMIK, Januar 2012 – Negative Folgen „erzwungener Rückkehr“ in den Kosovo

Vom 21.-5. April 2012 soll eine Delegation des Niedersächsischen Landtages in den Kosovo reisen, um die Möglichkeiten weiterer Abschiebungen von Minderheiten-Angehörigen der Roma, Ägypter und Ashkali zu prüfen.

Was werden die ParlamentarierInnen vorab zu lesen bekommen?

Vielleicht die neuen Berichte internationaler Organisationen, die in der Lage sind, nicht nur vier Tage, sondern jahrelang Entwicklungen im Kosovo zu beobachten?

Vielleicht die Recherchen der unabhängigen Luxemburger Organisation Chachipe, deren Mitarbeiterin Dr. Karin Waringo vor der Reise der parlamentarischen Delegation zu einem Informations- und Diskussionsabend nach Hannover kommen wird:

Mi 18.04.12, 19 Uhr

Kulturzentrum Pavillon, Lister Meile 4 (Nordausgang Hauptbahnhof)

Keine Deportation von Roma-Flüchtlingen –

humane Perspektiven für Deutschland und Europa

Am 31.01.2012 veröffentlichte der UN-Sicherheitsrat den Vierteljahresbericht des Generalsekretärs der UNMIK, der UN-Mission für den Kosovo, erstellt für den Zeitraum von Mitte Oktober 2011 bis Mitte Januar 2012. Darin berichtet UNMIK umfangreich über die Entwicklung der Spannungen im nördlichen Kosovo, dessen mehrheitlich serbische Bevölkerung die kosovarische Regierung nicht anerkennen will.

In Kapitel VII, Punkt 38 geht UNMIK u.a. auf die Politik einer erzwungenen Rückkehr von Kosovo-Flüchtlingen ein:

Forced repatriations from host countries (mainly in Western Europe) continued in significant numbers during the reporting period. By the end of the year, UNHCR had recorded a total of 3,186 persons forcibly returned to Kosovo from West European countries during 2011. Among these, 639 individuals belong to minority communities as defined under the UNHCR Eligibility Guidelines. UNHCR assesses that there are few prospects for sustainable integration for minorities forcibly returned to Kosovo, inter alia, because of the lack of personal documentation, housing, employment and family support, as well as perceptions of insecurity in the places to which they are being returned. “

Unsere Übersetzung:

Die erzwungene Rückkehr aus den Gastländern – überwiegend in Westeueropa – wurde im Berichtszeitraum in erheblichem Umfang fortgesetzt. Bis Ende des Jahres 2011 registrierte UNMIK insgesamt 3.186 Personen für 2011, die zwangsweise zurückkommen mussten. Darunter waren 639 Menschgen, die entsprechend den Richtlinien des UNHCR als Minderheiten-Angehörige gelten.

UNHCR schätzte, dass es wenig Aussichten auf eine dauerhafte Integration für Minderheiten gibt, die zwangsweise nach Kosovo abgeschoben wurden, unter anderem weil es an Dokumenten zur persönlichen Identität, an Unterkunftsmöglichkeiten, Erwerbstätigkeit und familiärer Unterstützung mangelt, aber auch wegen der Unsicherheit in den Orten, wohin sie zurückgehen müssen.“

(Quelle: Internet-Portal von Chachipe, mit Berichten zu Bosnien-Herzogowina, Mazedonien, Montenegro, Serbien, Kosovo und West-Europa)

(erstellt: 15.04.2012)

Falsche Heimat – die Geschichte der Hartherzigkeit deutscher Innenministerien

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Falsche Heimat – die Abschiebung der Roma in den Kosovo

Vom 21.-5. April 2012 soll eine Delegation des Niedersächsischen Landtages in den Kosovo reisen, um die Möglichkeiten weiterer Abschiebungen von Minderheiten-Angehörigen der Roma, Ägypter und Ashkali zu prüfen.

Was werden die ParlamentarierInnen zu hören bekommen?

Der Journalist Dirk Auer berichtet in einem Feature für den Deutschlandfunk, gesendet am 01.02.2011, 19:15-20 Uhr, über die Abschiebung von Roma in den Kosovo:

Da wäre zum Beispiel Familie Kabashi: drei Kinder, alle sind in Deutschland geboren, für alle ist Deutsch die Muttersprache. Deutschland ist ihre Heimat, sie kennen ja auch nichts anderes. Die Eltern waren 1990 aus dem Kosovo nach Deutschland geflüchtet. 15 Jahre lebten sie hier, bis es schließlich hieß: Kosovo ist jetzt wieder sicher, auch für Roma.

Eines Nachts hämmerte plötzlich die Polizei an die Tür, und wenige Stunden später standen sie in Prishtina am Flughafen, nur mit ein paar Plastiktüten in der Hand. Ein Schicksal, das stellvertretend für viele steht.

Aus dem Kosovo stammt die größte Gruppe der Flüchtlinge, die jahrelang als „Geduldete“ in Deutschland gelebt haben. Die meisten von ihnen sind Roma. Herausgerissen aus ihren Leben in deutschen Kleinstädten, landeten sie von einem Tag auf den anderen in den verschlammten Roma-Siedlungen des Kosovo, ohne Arbeit, ohne Sozialhilfe und oft auch ohne Pass. Von den Einheimischen werden sie „Die Deutschen“ genannt, weil sie einfach anders sind, noch nicht einmal die Sprache richtig können und in ihren Häusern auch Jahre nach ihrer Abschiebung noch immer ausschließlich deutsche Fernsehprogramme laufen.“

Gelem Gelem – die Abschiebungen von Roma-Familien hat eine lange Geschichte: Der Radio-Bericht von Dirk Auer ist ein Zeitdokument über die Hartherzigkeit der deutschen Innenministerien, die Not vieler Roma-Familien, die Weigerung der UN-Verwaltung, dem Drängen der Bundes- und Länderbehörden nachzugeben – bis hin zur Übernahme der Verwaltung durch die kosovarische Regierung nach der einseitigen Erklärung der Unabhängigkeit des Kosovo.

Mit dem „Rückübernahme-Abkommen“ zwischen dem Bundesinnenminister und der neuen kosovarischen Regierung begann die von den deutschen Innenministern geplante große Abschiebung. Bis zum Frühjahr 2012 sind aber noch über 10.000 Roma-Flüchtlinge in Deutschland, für die dringend ein neues Bleiberecht erforderlich ist.

Gegen viele Protest-Aktionen, die bundesweiten Kampagnen „alle bleiben“, „Aktion Bleiberecht“ (Caritas und Diakonisches Werk), „Jugendliche ohne Grenzen“, den Widerspruch von MitschülerInnen, Eltern, Sportvereinen, Kirchengemeinden, von amnesty international und allen wichtigen Menschenrechts- und Flüchtlingsorganisationen halten die Innenminister noch an ihrer Deportations-Politik fest.

Das Reintegrations-Programm der kosovarischen Regierung dient als Alibi – umgesetzt wird es bisher so gut wie nicht. Abgeschobene Roma-Flüchtlinge landen in Notunterkünften, Slums, ehemaligen Militärcamps – die Lebensperspektiven sind miserabel.

Daran ändert auch Jürgen Kaas nichts, der als ehemaliger Entscheider über Asylanträge nun Büroleiter bei URA ist. URA (Die Brücke) soll für ein halbes Jahr Wohnraum vermitteln, monatliche Unterstützung bieten und bei der Integration in Arbeit vermitteln. Was anschließend passiert, kann URA nicht beeinflussen. Aber Bundesländer wie Niedersachsen haben eine passende Legitimation für die Abschiebungen. Schließlich bietet URA doch einen „Einstieg“ – aber wohin?

Der Erzähler in „Falsche Heimat“ sagt:

600 000 Euro für das Hilfsprojekt URA 2, die Gehälter von insgesamt drei Bundesbeamten, die allein im Kosovo mit Fragen der Rückführung betraut sind. Kleinere Projekte der Arbeiterwohlfahrt Nürnberg: 100 000 Euro, der Diakonie Trier: 60 000. Jeder Abschiebeflug schlägt mit 28 500 Euro zu Buche.

In Deutschland: Beamte des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, in den Länderministerien, Ausländerbehörden. Beratungsstellen, nächtliche Polizeieinsätze, Gerichts- und Anwaltskosten.

Der ganze Aufwand, nur um eine entwurzelte Generation von Kindern und Jugendlichen im Kosovo zu produzieren.“

Kosovo wird auf viele Jahre hin keine Lebensperspektive für Minderheiten-Angehörige bieten (können). Die Hauptleidtragenden sind die Kinder und Jugendlichen der deportierten Roma-Familien. Dieser Skandal der deutschen Innenpolitik bleibt auch 2012 absolut unakzeptabel:

Als demokratisches Land in Europa mit einer starken humanitären Tradition brauchen wir in Deutschland ein neues Bleiberecht, damit langjährig hier lebende Flüchtlinge hier – in ihrer neuen Heimat – ihr Leben aktiv gestalten können.

Für ein Leben in Sicherheit und Würde!

(erstellt: 15.04.2012)